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Jacques Brel: Film, Theater und die letzten Lebensjahre

Als Jacques Brel 1966 das Ende seiner Tourneen ankündigte, beendete er eine prägende Phase seiner Laufbahn – nicht aber seine künstlerische Arbeit. In den folgenden Jahren beschäftigte er sich mit Schauspiel, Regie und Theater. Später veränderte eine lange Reise durch den Pazifik auch seinen Alltag. Die Jahre nach den großen Chanson-Auftritten sind daher kein bloßer Epilog, sondern ein eigener Abschnitt seines Lebens.

Neue Rollen statt weiterer Tourneen

1967 gab Brel in Roubaix seinen letzten Bühnenauftritt als tourender Chansonnier. Bereits im selben Jahr spielte er im Film Les Risques du métier. Es folgten weitere Rollen, darunter La Bande à Bonnot (1968), Mon oncle Benjamin (1969), Les Assassins de l’ordre (1971) und L’Emmerdeur (1973). Brel brachte auf die Leinwand eine Präsenz mit, die vielen aus seinen Konzerten vertraut war, arbeitete dort aber in einem anderen Medium: Eine Filmfigur entsteht aus Drehbuch, Kamera, Schnitt und Zusammenspiel mit anderen Darstellern.

Auch hinter der Kamera war er tätig. Mit Le Far West übernahm Brel 1971 die Regie; der Film kam später in die Kinos. 1968 spielte er in der französischen Fassung des Musicals L’Homme de la Mancha die Hauptrolle. Dieses Projekt verband Schauspiel, Gesang und Theater auf andere Weise als seine Chansonabende. Einen Vergleich zwischen Bühnenkunst und Liedinterpretation bietet der Beitrag „Brel auf der Bühne“.

Das Meer und die Marquesas

1974 verließ Brel mit seinem Segelboot L’Askoy II Antwerpen. Die Reise führte ihn über den Atlantik und später in den Pazifik. 1976 ließ er sich auf Hiva Oa im Marquesas-Archipel nieder. Die Ortswechsel waren Teil eines neuen Lebensabschnitts, sollten aber nicht als einfache Geschichte vom Rückzug eines Künstlers erzählt werden: Brel blieb kreativ tätig und stand weiterhin in Verbindung mit Musik und Aufnahmen.

1977 nahm er Les Marquises auf, sein letztes Album. Es enthält unter anderem „Jaurès“, „Orly“, „Voir un ami pleurer“, „Jojo“ und das titelgebende Lied. Die Platte wirkt nicht wie eine bloße Sammlung früherer Erfolge. Ihre Stücke schauen auf Freundschaft, Verlust, Erinnerung und Vergänglichkeit – Themen, die viele Hörer mit Brels später Lebensphase verbinden, ohne jedes Lied biografisch eins zu eins lesen zu müssen.

Einordnung des letzten Albums

Die Fondation Jacques Brel führt Les Marquises als 1977 aufgenommenes letztes Album. Es bildet einen späten Gegenpol zu den frühen Veröffentlichungen aus den fünfziger Jahren. In der Übersicht zu späteren und Live-Aufnahmen lässt sich dieser Kontrast nachhören. Die Alben der Erfolgsjahre zeigen dagegen die Phase, in der Brel seinen Platz im Chanson festigte.

Jacques Brel starb am 9. Oktober 1978 in Bobigny bei Paris. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf Hiva Oa. Die geografische Distanz zwischen Brüssel, Paris und den Marquesas fasst eine Biografie zusammen, die von Bewegung geprägt war: vom familiären Umfeld über die Bühnen bis zu einem späteren Leben fern der europäischen Tourneeorte. Die Biografie bietet die Chronologie; die Seiten zu Chansons und Diskografie führen zurück zu dem Werk, das diese Lebensphasen begleitet.